Ecke, Tor, Auswärtssieg!

„Auswärtssieg! Auswärtssieg!“ Was für ein Gefühl, diesen Ausruf endlich wieder skandieren zu können. Wie mir noch kurz vor Anpfiff bewusst wurde, habe ich auf meinen letzten Auswärtssieg lange warten müssen. Dieser datierte noch vom 02. April 2006, der HSV gewann damals 2:0 auf Schalke (van der Vaart, Ailton). Sieben ernüchternde Versuche später endlich nun wieder ein Dreier in der Fremde, den ich live bejubeln konnte. Und mein Kumpel Hölle (begleitete mich das letzte mal zum HSV an eben jenem 02.04.2006) war wieder dabei! Vielleicht sollten wir hier mal einen Spendenaufruf starten, damit er sich eine Auswärtsdauerkarte anschaffen kann. Wobei Hölle eigentlich gar keinen Verein hat und mich nur begleitete (mit HSV-Schal!), da er in Frankfurt wohnt und ich die Auswärtsfahrt mit einem Wochenende in Frankfurt verbunden habe. „Der HSV hat verdient gewonnen,“ meinte aber sogar der „neutrale“ Hölle nach dem Spiel. Sehe ich auch so!

Der HSV beginnt in Frankfurt wie erwartet mit Guerrero statt Petric und der HSV startet außerordentlich gut und druckvoll. Die spielerische Überlegenheit ist sofort zu erkennen und die Eintracht kommt kaum in die Hälfte des HSV. Schnell wird mir klar, dass dieses Spiel nur der HSV gewinnen kann. Oder doch nicht? Denn nach rund 25 Minuten verliert der HSV ein wenig den Faden bzw. die Eintracht findet durch Einsatz und Kampfbereitschaft ins Spiel. In dieser Phase halten die Hessen das eine oder andere Mal drüber, riskieren Verwarnungen, bringen den HSV so aber aus dem Spielfluss und fighten sich selbst so zurück ins Spiel. So blöd und einfach darf sich der HSV eigentlich nicht aus dem Konzept bringen lassen. Tut er aber und auf einmal steht es 1:0 für die Hessen, die kurz vor dem Wechsel nach Katastrophenfehler eigentlich sogar auf 2:0 erhöhen müssen. Ernüchterung zur Pause und im Gästeblock kommen erste Fragezeichen auf, ob der HSV hier heute Punkte verschenkt. Verschenkt daher, da die Eintracht eigentlich ziemlich schwach war und nur ins Spiel kam, weil der HSV sein Spiel nicht durchgezogen hat. Wie reagiert der HSV und insbesondere Armin Veh auf den ersten Rückstand der Saison und bringt er nun Petric?

Aber der HSV startet ohne Wechsel in die zweite Hälfte, welche nun deutlich schwungvoller ist. Mittlerweile regnet es heftig und der Gästeblock singt ein wenig ironisch vom „Hamburger Wetter“. Es mag zwar Zufall sein, aber mit diesem Wetter kommt der HSV wieder besser ins Spiel und Armin Veh bringt Piotr Tochowski für Eljero Elia. Zur Überraschung Aller, denn auf der Tribüne hatten Viele schon  zur Halbzeit mit einen Wechsel Petric für Pitroipa (vergab die größte HSV-Chance in Halbzeit 1) gerechnet. Wieso es dann aber (ich betone: einige wenige) Pfiffe für den Wechsel von HSV-Fans (!) gab, kann ich nicht verstehen. Hier sollte man dem Trainer einfach mal vertrauen und der Wechsel zeigt zumindest eines: Dem Trainer sind Namen scheinbar egal, er stellt rein danach auf, wie er es für die Mannschaft in Ihrer Gesamtheit am Besten betrachtet.

Nur wenige Sekunden später ist dann aber auch die Welt für die wenigen Nörgler wieder in Ordnung, denn Mathijsen erzielt das 1:1 und das auch noch per Kopf nach einer Ecke! Das ich sowas nochmal mit dem HSV erleben darf! Der HSV ist jetzt am Drücker, zieht das Tempo noch einmal an und will hier den Sieg. Besonders einer ist ganz heiß: Ruud van Nistelrooy. Nahezu jeder gefährliche Angriff läuft nun über den Niederländer. Traumhaft wie er sich immer wieder fallen lässte, Bälle fordert, den Kollegen einsetzt oder aber selbst aus der Drehung und in Bedrängnis abzieht. Weltklasse! Genauso wie die Parade von Frank Rost, der eine erneute Frankfurter Führung verhindert. Und dann steht Ruud tatsächlich wieder richtig und nickt zum 1:2 ein. Und zwar erneut nach einer Zé Roberto-Ecke! Wahnsinn, diesen Tag sollte sich jeder HSVer rot im Kalender anstreichen: Der HSV entscheidet ein Spiel über Eckstöße! Hier war der HSV in den letzten Jahren echt ungefährlich,  dabei war das Erfolgsrezept in Frankfurt so banal: Ecke, Tor, Auswärtssieg! Wenn’s denn nur wirklich so leicht wäre. Die Eintracht hat nun nichts mehr entgegenzusetzen und so kommt der HSV über Guerrero sogar noch zum 1:3. „Auswärtssieg!“ hallt es durch die Commerzbank-Arena, die mittlerweile nur noch zur Hälfte gefüllt ist.

Und so gelingt dem HSV ein perfekter Start mit zwei wichtigen Siegen. Während andere vermeintliche Spitzenteams (Bayern, Schalke, Stuttgart) Punkte liegen lassen, hat sich der HSV schon optimal platziert und mit Nürnberg nun eine – so behaupte ich ganz zuversichtlich einmal – machbare Aufgabe vor der Brust. Bitter nur: Mladen Petric (ich gebe zu: einer meiner Lieblingsspieler) blieb in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank. Auch weil Veh zunächst auf Trochowskis Qualitäten (Schussgefahrt auf nassem Boden!) setzte und dann später Defensivqualitäten (Kacar) gefragt waren. Dennoch ist es natürlich der Anspruch eines Mladen Petric zu spielen und er wird sich mit der Bank nicht zufrieden geben. So schön und gut diese Konkurrenzsituation auch sportlich sein mag, sie birgt auch hohes Konflikt- und Unzufriedenheitspotential. Und ich hoffe Armin Veh packt die Protagonisten richtig an. Nicht, dass einer noch nervös wird kurz vor Ende der Wechselperiode. Passend dazu auch aktuelle Spekulationen (MoPo), der HSV plane Petric noch “abzuschieben”. Ich hoffe – und gehe davon aus ! – dass das reines Presse-”Geblubber” und völlig aus der Luft gegriffen ist: denn ein Mladen Petric wird noch ganz wichtig werden für das Thema – davon bin ich fest überzeugt. Zum Glück endet am Dienstag die Wechselfrist!


Ähnliche Artikel:

No related posts.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>