Transfer-Hektik in der Bundesliga – und auch beim HSV

Ich hasse das Ende des Transferfensters. In den letzten Stunden geht es meist noch drunter und drüber her. Traditionell auch beim HSV. So kamen in den letzten Jahren eigentlich regelmäßig noch Spieler kurz vor Ende der Wechselfrist zum HSV – oder verließen ihn. In diesem Jahr hingegen war es sehr ruhig, schon frühzeitig sendete der Verein Signale, dass man mit der Personalplanung durch sei. Doch dann wurde es nochmals turbulent und der HSV mittendrin in der Gerüchteküche. Warum eigentlich?

Zur Übersicht ein kurzer Rückblick:

03.08.: Der HSV macht David Rozehnal, Mickael Tavarez und Änis Ben-Hatira deutlich, dass man nicht mehr mit ihm plant.

05.08: Der AS Cesana zeigt Interesse an Rozehnal.

10.08: Der VfL Wolfsburg und Juventus Turin zeigen offenbar Interesse an Eljero Elia.

13.08: Armin Vehschließt einen Wechsel Elias aus.

18.08: In einem “brisanten” Interview mit dem Hamburger Abendblatt benennt Klaus-Michael Kühne Rafael van der Vaart als Wunschsspieler. Armin Veh kommentiert es amüsant: “Rafael van der Vaart ist ein Spieler, der mir schon sehr gefallen würde.” Die Medien interpretieren es als Flirt, erste Spekulationen tauchen auf.

27.08: Mickael Tavarez verlässt den HSV zum FC Middlesborough.

27.08: Vor dem Spiel in Frankfurt sagt Mladen Petric zu Wechselabsichten in der Sommerpause: “Das war Quatsch und ich werde ganz sicher auch nicht rumstänkern, wenn ich ein-, zweimal auf der Bank sitzen muss.”

28.08: Mladen Petric sitzt in Frankfurt 90 Minuten auf der Bank. Nach dem Spiel teilt Armin Veh mit, dass der HSV auf dem Transfermarkt keine Aktivitäten mehr tätigen wird.

30.08: Die Mopo spekuliert, Mladen Petric solle rausgeekelt werden.

30.08: In einer Eilmeldung berichtet Matz ab darüber, dass Mladen Petric kurz vor einem Wechsel zum VfB Stuttgart steht.

31.08 | 07 Uhr: Petric-Berater Volker-Struth zum angeblichen Wechsel zum VfB: “Da ist rein gar nichts dran.” Im Gegenzug berichten aber auch Stuttgarter Medien, man sei sich einig mit Petric. Gerüchte über einen Mega-Deal (Petric nach Stuttgart um van der Vaart nach Hamburg zu holen, schlagen hoch)

31.08 | 10 Uhr: Schalke 04 verpflichtet mit Jurado einen offensiven Mittelfeldspieler, womit ein van der Vaart-Transfer nach Gelsenkirchen ausgeschlossen werden kann. Da auch der FC Bayern ausschließt noch einen Spieler zu verpflichten, bleibt eigentlich nur noch der HSV.

31.08 | 11 Uhr: Das Fan-Forum des HSV Supporters Club ist nicht mehr erreichbar. Zu viele User legen den Server lahm.

31.08 | 11:30 Uhr: Medien melden, David Rozehnal verlässt den HSV nach Cesana. Später wird dies korrigiert. Er geht nach Lille in Frankreich.

31.08 | 12 Uhr: Auf der letzten Transferliste fehlen die Namen Petric und van der Vaart. Ein Wechsel in die Bundesliga ist damit ausgeschlossen.

31.08 | 12:30 Uhr: Es gibt Unklarheiten bezüglich der Fristen der Transferliste, da es dazu unterschiedliche Medien-Mitteilungen gibt. Viele Fans rechnen noch immer mit einem Petric-Verkauf und träumen von van der Vaart.

31.08 | 14:00 Uhr: Stuttgarts-Sportchef Fredi Bobic erklärt den Transfer von Petric als gescheitert. Man sei sich mit dem Spieler einig gewesen, nur der HSV habe nicht mitgemacht.

31.08 | 15:00 Uhr: Bastian Reinhardt erklärt, das Angebot vom VfB Stuttgart sei nicht akzeptabel gewesen, zudem hätte der HSV keinen gleichwertigen Ersatz verpflichten können.

31.08 | 21:00 Uhr: Rafael van der Vaart wechselt nach Tottenham.

01.09: Mladen Petric zeigt sich enttäuscht über den geplatzten Wechsel und fühlt sich als Opfer in einem Pokerspiel zwischen dem HSV, VfB Stuttgart und Rafael van der Vaart.

Im Endeffekt also viel Theater um Nichts und beim HSV bleibt alles beim Alten (mit Ausnahme der zu verkraftenden Abgänge). Und das ist auch gut so! Denn in den letzten Jahren hat sich immer wieder bestätigt, dass Last-Minute-Transfers meist ein wenig brauchen um in die Mannschaft zu finden. Wie denn auch, wenn man die ganze Vorbereitung verpasst hat? Das jetzige HSV-Team hingegen ist mehr oder weniger eingespielt und ja auch erfolgreich in die Saison gestartet. So ist es ja auch ein Zeichen an die Mannschaft, wenn man ihr Vertrauen schenkt. In diesem Zusammenhang bin ich beispielsweise auch sehr gespannt, wie sich die Situation auf Schalke entwickelt. Dort hat Magath mehr als einmal öffentlich betont, dass die Mannschaft seinen Ansprüchen nicht genügt. Vertrauen sieht anders aus. Man versetze sich mal in die Lage der Spieler, die die ganze, harte Vorbereitung mitgemacht haben um dann kurz vorm 3.Spieltag einen Neutransfer vor die Nase gesetzt zu bekommen. Sowas kann sich dann auch schnell negativ auf die Moral in der Mannschaft auswirken.

Hat der HSV also alles richtig gemacht? NEIN! Denn mir hat einfach ein klares Bekenntnis zu Mladen Petric gefehlt, beim HSV hat man es versäumt gleich einen Riegel vor sämtliche Spekulationen zu schieben und somit für Ruhe zu sorgen. Folgende Aussage hätte auch einem Mladen Petric mit Sicherheit gut getan: „Mladen ist unser Spieler, wir vertrauen ihm und wissen, dass er nochmal ganz wichtig sein wird, wie er es auch in den letzten Jahren immer wieder war.“ Fußballer brauchen sowas scheinbar. Bei Elia hat diese klare Ansage doch auch gut geklappt und die Spekulationen beendet und dem Spieler Selbstvertrauen gegeben.

Oder hatte der HSV etwa tatsächlich vor, Mladen Petric abzugeben? Das würde ich für grob fahrlässig halten, denn einen Spieler mit den Qualitäten eines Petric (und dessen Torquote!) hat der HSV nicht viele im Kader. Zumal es doch naiv wäre, darauf zu vertrauen, dass ein Ruud van Nistelrooy mit seinen 34 Jahren eine komplette Saison verletzungsfrei bleiben wird. Und was passiert eigentlich wenn van Nistelrooy im Sommer seine Karriere beenden sollte oder diese in Holland ausklingen lassen möchte? Dann steht der HSV ganz ohne Top-Stürmer da und muss wieder viel Geld in die Hand nehmen. Ein Petric-Verkauf hätte in meinen Augen also überhaupt keinen Sinn gemacht. Zumal die gebotenen 3,5-Millionen Euro der Stuttgarter ja nahezu lachhaft sind.

Aber natürlich hat nicht nur der HSV Fehler gemacht. Auch Mladen Petric – der sich nun als Opfer, das zwischen den Stühlen saß, sieht – hat Fehler gemacht. Denn ein Spiel auf der Reservebank ist noch lange kein Grund einen Wechsel zu forcieren. Somit bleibt auch hier ein Beigeschmack, wie er auch schon beim Wechsel vom BVB zum HSV vorhanden war. Auch damals kam Petric Wechsel sehr überraschend und hat in Dortmund für viel Unruhe gesorgt.

Wer aber bei einem Spitzenclub spielen will, der muss sich auch einem entsprechenden Konkurrenzkampf stellen. Natürlich gefällt ihm seine neue Position nicht und natürlich wird es schwer für ihn, aber er muss jetzt einfach mal Charakter zeigen, im Sinne der Mannschaft. Denn Fußball ist ein Mannschaftssport, den man nur gewinnt, wenn man sich auch in den Dienst der Mannschaft stellt [und jetzt mindestens 5 Euro ins Phrasenschwein]. Einsätze wird Petric noch genügend bekommen. Warten wir es erst mal ab, bis wieder die Zeit der Verletzungen und Sperren kommt. Dann werden wir uns alle freuen, dass wir solch einen breiten Kader haben. Und warten wir ab, bis die nächste Wechselperiode im Winter kommt. Dann geht das ganze Theater wieder von vorne los – garantiert.

P.S: Wer in meine Saisonprognose für den August schaut, wird feststellen, dass wirklich vieles so eingetreten ist wie “prophezeit”. Man ersetze nur den Namen Elia durch Petric und es passt. Auf den HSV ist halt einfach immer Verlass.

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Eine Antwort auf Transfer-Hektik in der Bundesliga – und auch beim HSV

  1. Hansalt sagt:

    Habe soeben das erste mal den Fanblock angeklickt und bin angenehm überrascht über die gute Qualität und Sachlichkeit im Gegensatz zu vielen Zuschriften bei “Matzab”, danke.

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