“Kein Zwanni für nen Steher” – Diskussion um Ticketpreise

geld

HSV gegen BVB – für mich gehört das immer mit zu den besten Spielen der Saison. Auf diese Begegnungen freue ich mich riesig – auch weil hier zwei fanstarke Traditionsvereine aufeinander treffen. Wenn der HSV gegen den BVB spielt ist eigentlich auch in den Fankurven immer mächtig viel los. Am Sonntag könnte das ein wenig anders sein, denn etliche aktive BVB-Fans wollen das Spiel boykottieren – wegen zu hoher Eintrittspreise. Und die Hamburger Kollegen der CFHH wollen sich zumindest mit einem Stimmungsboykott in den ersten zehn Minuten der 2. Halbzeit solidarisch zeigen.

Dahinter steht das Bündnis “Kein Zwanni für nen Steher“, welches vor knapp 1,5 Jahren erstmals zum Ruhderby Schalke-BVB in Erscheinung trat. Gegründet von Dortmundern haben sich mittlerweile immer mehr Fanclubs mit der Faninitiative verbündet, um auf zu hohe Eintrittspreise bei Bundesliga-Spielen hinzuweisen.

Eines vorweg: Das “Problem” der hohen Eintrittspreise ist mit Sicherheit kein exklusives Hamburger Phänomen, sondern in allen Bundesligastadien anzutreffen – besonders wenn Top-Mannschaften wie der BVB oder Bayern kommen. Dann gibt es gerne den Topspiel-Zuschlag oder gar den Top-Topspiel-Zuschlag. Das kann man wirklich bei jedem Verein beobachten. Dennoch gehört der HSV bestimmt zur Ligaspitze, was das Eintrittspreis-Niveau betrifft – und daher “trifft” es ein Spiel mit HSV-Beteiligung auch nicht ganz zu unrecht.

Gegen den BVB liegen die Eintrittspreise zwischen 19 und 84 Euro. Ganz schön viel Geld für 90 Minuten Fußball. Und dass 84 Euro für eine Karte pervers sind, sollte eigentlich jedem klar sein. Doch wo ist die Grenze? Ist denn 75 Euro in Ordnung? 60? Was ist ein gutes Gradmaß? Volkswirte würden sagen, der optimale Preis bildet sich durch Angebot und Nachfrage. Und da die Nachfrage nach Fußball-Bundesliga immer noch so hoch ist, gehen auch die Preise – rein volkswirtschaftlich gesehen! – ebenfalls nach oben. Die ausverkauften Stadien bestätigen das.

Und auch gegen den BVB wird es wieder voll sein. Weil sich trotz Boykott immer noch reichlich Fans finden, die diese Preise zahlen. Ich erinnere mich noch an die gleiche Begegnung im letzten Frühjahr, der BVB stand damals bekanntlich kurz vorm Gewinn der Meisterschaft. Damals baten mich etliche BVB-Fans um Unterstützung, wie sie an Tickets kommen können. Und die hätten alles bezahlt!

Und aus Vereins-Sicht? Bundesligisten sind schließlich keine caritativen Einrichtungen. Wieso sollte der HSV also z.B. auf mögliche Einnahmequellen verzichten, wenn er das Stadion auch so vollkriegt? Das wäre betriebswirtschaftlicher Unsinn!

Machen die Bundesligisten also aus ihrer Sicht nicht alles richtig? NEIN! Denn Fußball ist für die Fans mehr als ein Geschäft. Bei Fußball zählen keine volks- und betriebswirtschaftlichen Gesetze, weil die “Kunden” (=Fans) auch nicht nach diesen Gesetzen handeln. Denn hier ist Liebhaberei im Spiel. Die Fans sind so sehr emotional mit ihrem Verein verbunden, dass die Mehrheit auch weiterhin kauft: Karten, Trikots, Fanartikel – egal wie weit sich die Preisspirale auch drehen mag. Weil die Fans eben “vernarrt” in ihren Verein sind. Das kann im Einzelfall gefährlich werden, wenn der Fan “über seinen Verhältnissen” weiterhin zum Fußball geht. Und gerade hier sind die Bundesligisten in der Pflicht auch ihrer gesellschaftlichen Rolle gerecht zu werden.

Die Dortmunder Initiative ist also zu begrüßen – auch wenn der Boykott in meinen Augen nicht viel bringen wird. Denn: Das Stadion wird trotzdem voll sein. So wird man vielleicht in den Medien entsprechende Notizen lesen, vielleicht zeigt die Sportschau auch ein paar Bilder von boykottierenden Fans  – das wird es aber auch gewesen sein. Die Diskussionen um Fan-Gewalt und Pyro sind für die Presse aktuell viel interessanter. Da geht diese Aktion unter, auch wenn sie in ihren Grundgedanken richtig ist.

Die Vereine sind hier gefragt. Und da wünsche ich mir vom HSV mehr Initiative. Wir haben ja einen Vorstand für Mitgliederbelange, der frisch im Amt bestätigt wurde. Herr Scheel, bei diesem Thema sind sie gefragt! Und auch für den Supporters Club muss das ein entscheidenen Thema der Zukunft sein! In meinen Augen ist das viel wichtiger als für eine Legalisierung von Pyrotechnik zu kämpfen!

Übrigens: Die Heimspiele gegen Bayern und Werder sind noch nicht ausverkauft und gehen in den freien Verkauf. Das gab es früher bei diesen Begegnungen nicht! Die Vereine sollten einmal drüber nachdenken…

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