Die Zeichen beim HSV stehen auf Neuanfang. Komplett.
War der Verein bis vor kurzem noch nahezu handlungsunfähig, wurde das Entscheidungsvakuum beseitigt und so langsam ist mal wieder an einen vernünftig und seriös arbeitenden Verein zu denken. Das Duo Kraus und Hoffmann wurde abserviert und der zum Cheftrainer beförderte Michaeel Oenning hat mit einem 6:2 gegen Köln bereits angefangen, starke Argumente für sich zu sammeln.
Der geneigte HSV-Anhänger, mittlerweile recht ermüdet von den Saison für Saison angekündigten Umbrüchen, dürfte momentan überaus gespannt sein auf die neue Saison. Ist Arnesen das Wundermittel, nach dem der HSV lange vergeblich suchte? Oder nur ein großer Name, hinter dem sich letztendlich wenig verbirgt? Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen. Problematisch ist Arnesens andauernde Funktion bei Chelsea FC, inwieweit ist er in der Lage, sich jetzt schon um den Kader der neuen Saison zu kümmern? Fakt ist, wer erst ab Juli beginnt, wird nur die Reste erhalten – schwer vorstellbar, mit Resten einen erfolgreichen Umbruch gestalten zu können…
Dies dürfte auch den Verantwortlichen beim HSV klar sein und Arnesen war ja auch erst kürzlich zu einer Stippvisite in Hamburg, über Umwege scheint hier also schon eine Planung stattzufinden.
Unter welchem Trainer der neue Kader dann zum Zuge kommen soll, steht auch noch in den Sternen. Ein klares Bekenntnis zu Oenning gab es von Arnesen bis dato nicht, es wurden ihm auch (gescheiterte) Verhandlungen mit Morten Olsen zugeordnet. Prophylaktische Maßnahme oder Wink mit dem Zaunpfahl für Oenning? Arnesen, der betonte, dass für ihn Qualität vorrangig sei und nicht Erfahrung, sieht sich hier mit einer großen Aufgabe konfrontiert.
Bei der Kaderzusammenstellung könnte seine Beschäftigung in London allerdings sehr hilfreich sein, denn als Insider dort könnte er so einige Deals einfädeln. Unter anderem, auch die BILD weist aktuell darauf hin, könnte mit Bruma ein junges Verteidigertalent akquiriert werden, mit Mikel ein Aushängeschild im Mittelfeld (für Jarolim?) und mit Kalou ein Mann für die Außenbahnen. Allerdings, und das sollte man beim Träumen beachten, es ist nach wie vor unbekannt, inwieweit diese Spieler überhaupt Interesse haben, beim HSV zu spielen, bzw. sich der Verein derartige Kaliber überhaupt leisten kann. Doch die Möglichkeit von Leihgeschäften halte ich für den Anfang sehr geeignet. Mal unter uns: Rost, Mathijsen, Demel, Trochowski, Pitroipa, Elia, van Nistelrooy, Zé Roberto, Jarolim (to be continued) scheinen die wahrscheinlichsten Kandidaten für Verkäufe oder auslaufende Verträge. Der Verein hat in diesem Sommer wirklich die beinahe schon einmalige Chance, sich im sportlichen Bereich schon von der Basis (Kader) her neu aufzustellen und Spieler aus London dürften da beileibe nicht von minderer Qualität sein.
Ich für meinen Teil bin mir nicht sicher, wie ich Arnesen einschätzen soll. Wer wenig erwartet, kann auch wenig enttäuscht werden, aber ist das wirklich das Ziel? Als Messias, oder Heilsbringer wie ihn einige darstellen, würde ich Arnesen eher nicht bezeichnen. Viel mehr eine Führungsfigur in schwierigen Zeiten, etwas, was man Bastian Reinhardt (alias die letzte verbliebene ehrliche Seele in der Chefetage) offensichtlich nicht wirklich zugetraut hatte. Ein Scheitern kann sich der HSV noch viel weniger leisten als Arnesen. Der Verein steht auf Messers Schneide, da eine Qualifikation für das internationale Geschäft (und das damit verbundene Geld) momentan doch noch in weiter Ferne liegen. Die Situation hätte für alle Beteiligten kaum noch komplizierter sein können. Arnesen kommt zu einem Verein, der gerade eine Runderneuerung durchläuft oder zumindest anstrebt. Der Verein bekommt mit Arnesen einen Sportchef, dessen Wirkungsgrad bis jetzt nur schwer einzuschätzen ist und von dem man sich eine grundlegende Neuorientierung des Vereins erhofft. Der Trainer für die neue Saison ist noch nicht offiziell gefunden und die Spieler wissen größtenteils auch noch nicht, in welchem Maße der Verein noch mit ihnen plant. Nur vereinzelt gab es schon Bewegung, so wird uns das Urgestein Collin Benjamin wohl zum Saisonende verlassen. Im Zuge des Umbruchs, so er denn geschehen wird, dürften noch so einige pikante Entscheidungen zu fällen sein. Für Arnesen, für den HSV.
Der HSV hat bei seinen Fans schon viel verspielt. Hoffentlich erkennen die Verantwortlichen Chancen und Risiken der jetzigen sportlichen Situation und ziehen daraus die richtigen Schlüsse. Arnesen muss nicht mal ein Wundermittel sein. Bereits ein Mittel, das wirkt, würde den HSV in diesen Zeiten enorm voranbringen..



