Leit-Artikel

Wundermittel Arnesen?

Die Zeichen beim HSV stehen auf Neuanfang. Komplett.
War der Verein bis vor kurzem noch nahezu handlungsunfähig, wurde das Entscheidungsvakuum beseitigt und so langsam ist mal wieder an einen vernünftig und seriös arbeitenden Verein zu denken. Das Duo Kraus und Hoffmann wurde abserviert und der zum Cheftrainer beförderte Michaeel Oenning hat mit einem 6:2 gegen Köln bereits angefangen, starke Argumente für sich zu sammeln.

Der geneigte HSV-Anhänger, mittlerweile recht ermüdet von den Saison für Saison angekündigten Umbrüchen, dürfte momentan überaus gespannt sein auf die neue Saison. Ist Arnesen das Wundermittel, nach dem der HSV lange vergeblich suchte? Oder nur ein großer Name, hinter dem sich letztendlich wenig verbirgt? Die nächsten Wochen und Monate werden es zeigen. Problematisch ist Arnesens andauernde Funktion bei Chelsea FC, inwieweit ist er in der Lage, sich jetzt schon um den Kader der neuen Saison zu kümmern? Fakt ist, wer erst ab Juli beginnt, wird nur die Reste erhalten – schwer vorstellbar, mit Resten einen erfolgreichen Umbruch gestalten zu können…
Dies dürfte auch den Verantwortlichen beim HSV klar sein und Arnesen war ja auch erst kürzlich zu einer Stippvisite in Hamburg, über Umwege scheint hier also schon eine Planung stattzufinden.
Unter welchem Trainer der neue Kader dann zum Zuge kommen soll, steht auch noch in den Sternen. Ein klares Bekenntnis zu Oenning gab es von Arnesen bis dato nicht, es wurden ihm auch (gescheiterte) Verhandlungen mit Morten Olsen zugeordnet. Prophylaktische Maßnahme oder Wink mit dem Zaunpfahl für Oenning? Arnesen, der betonte, dass für ihn Qualität vorrangig sei und nicht Erfahrung, sieht sich hier mit einer großen Aufgabe konfrontiert.

Bei der Kaderzusammenstellung könnte seine Beschäftigung in London allerdings sehr hilfreich sein, denn als Insider dort könnte er so einige Deals einfädeln. Unter anderem, auch die BILD weist aktuell darauf hin, könnte mit Bruma ein junges Verteidigertalent akquiriert werden, mit Mikel ein Aushängeschild im Mittelfeld (für Jarolim?) und mit Kalou ein Mann für die Außenbahnen. Allerdings, und das sollte man beim Träumen beachten, es ist nach wie vor unbekannt, inwieweit diese Spieler überhaupt Interesse haben, beim HSV zu spielen, bzw. sich der Verein derartige Kaliber überhaupt leisten kann. Doch die Möglichkeit von Leihgeschäften halte ich für den Anfang sehr geeignet. Mal unter uns: Rost, Mathijsen, Demel, Trochowski, Pitroipa, Elia, van Nistelrooy, Zé Roberto, Jarolim (to be continued) scheinen die wahrscheinlichsten Kandidaten für Verkäufe oder auslaufende Verträge. Der Verein hat in diesem Sommer wirklich die beinahe schon einmalige Chance, sich im sportlichen Bereich schon von der Basis (Kader) her neu aufzustellen und Spieler aus London dürften da beileibe nicht von minderer Qualität sein.

Ich für meinen Teil bin mir nicht sicher, wie ich Arnesen einschätzen soll. Wer wenig erwartet, kann auch wenig enttäuscht werden, aber ist das wirklich das Ziel? Als Messias, oder Heilsbringer wie ihn einige darstellen, würde ich Arnesen eher nicht bezeichnen. Viel mehr eine Führungsfigur in schwierigen Zeiten, etwas, was man Bastian Reinhardt (alias die letzte verbliebene ehrliche Seele in der Chefetage) offensichtlich nicht wirklich zugetraut hatte. Ein Scheitern kann sich der HSV noch viel weniger leisten als Arnesen. Der Verein steht auf Messers Schneide, da eine Qualifikation für das internationale Geschäft (und das damit verbundene Geld) momentan doch noch in weiter Ferne liegen. Die Situation hätte für alle Beteiligten kaum noch komplizierter sein können. Arnesen kommt zu einem Verein, der gerade eine Runderneuerung durchläuft oder zumindest anstrebt. Der Verein bekommt mit Arnesen einen Sportchef, dessen Wirkungsgrad bis jetzt nur schwer einzuschätzen ist und von dem man sich eine grundlegende Neuorientierung des Vereins erhofft. Der Trainer für die neue Saison ist noch nicht offiziell gefunden und die Spieler wissen größtenteils auch noch nicht, in welchem Maße der Verein noch mit ihnen plant. Nur vereinzelt gab es schon Bewegung, so wird uns das Urgestein Collin Benjamin wohl zum Saisonende verlassen. Im Zuge des Umbruchs, so er denn geschehen wird, dürften noch so einige pikante Entscheidungen zu fällen sein. Für Arnesen, für den HSV.

Der HSV hat bei seinen Fans schon viel verspielt. Hoffentlich erkennen die Verantwortlichen Chancen und Risiken der jetzigen sportlichen Situation und ziehen daraus die richtigen Schlüsse. Arnesen muss nicht mal ein Wundermittel sein. Bereits ein Mittel, das wirkt, würde den HSV in diesen Zeiten enorm voranbringen..

1 Kommentar
Leit-Artikel

Mit Volldampf in den Abgrund?

Der absolute Tiefpunkt des Hamburger Sportvereins ist erreicht. Von den Bayern vermöbelt, Trainer entlassen, Sportchef enteiert, neuer Sportchef noch gar nicht da, der Vorstand ist verabschiedet auf Raten und der Aufsichtsrat eine einzige Witznummer. Die Leidtragenden dieses Chaos? Die Fans.

20 Minuten sah das ansehnlich aus, was wir gegen die Bayern anboten. Und dann der Knacks, unerklärlicherweise, aber in dieser Saison schon häufiger zu beobachten. Gibt es ab einer bestimmten Zeit weniger Gehalt? Oder Kilometergeld? Ich verstehe das nicht und werde das wohl nie verstehen. Dort haben Menschen ihr Hobby zum Beruf und dann trotten sie umher, als ob sie gezwungen würden. Unterm Strich steht jetzt ein 6:0-Sieg für die Bayern, die sich natürlich wieder wie die Könige fühlen, wer mag es ihnen momentan verdenken. Statement-Win sagt man dazu und es war für mich einfach nur die Krönung des peinlichen Bildes, an dem der HSV in dieser Saison intensiv gearbeitet hat. Machen wir uns nichts vor – wir sind doch mittlerweile die Lachnummer der Nation. Achtmal müssen wir uns das in dieser Saison noch antun. Mir wird Angst und Bange. Wir sind zu gut für den Abstieg (Amen!) und zu schlecht für das internationale Geschäft. Mittelmaß. Biederes, graues und uninteressantes Mittelmaß.
Sicherlich ist eine Niederlage gegen den FC Bayern München kein Unding, aber wie kann man sich bitte so abschlachten lassen? War das der internationale Gedanke, die Bayern für das Duell mit Inter wieder aufzubauen?
Fan des Hamburger Sportvereins zu sein, ist nicht mehr länger schwer, nein, es tut eher schon weh. Robben und Ribery sind gute, ja exzellente Spieler – aber auch diese sind zu stoppen. Doppeln (etc.), Hannover hat es doch vorgemacht. Dafür benötigt man allerdings Willen, inbesondere Siegeswillen..

Der letzte Mohikaner, äh ich meine natürlich Lautsprecher, Frank Rost, hat sich in bemerkenswerter Art und Weise nach dem Spiel geäußert – er sprach das aus, was viele denken, was sich jedoch kaum jemand auszusprechen traute. Eine Kritik, die in einem Rundumschlag gipfelte, er stieß in das von Armin Veh gereichte Horn des Aufrüttelns. Doch mit welchem Nutzen? Veh war schlichtweg nicht zu halten, was auch Reinhardt bestätigte und die Zukunft von Rost (Vertrag läuft im Sommer aus) wird wohl nicht beim HSV liegen. Zwei Personen, die aufrütteln wollten, in Zukunft die etwaigen Früchte aber wohl nur noch aus der Ferne betrachten können. Wobei, und das muss ich klar betonen: Sicherlich war es nicht richtig, ein derartiges Auftreten abzuliefern, doch beim HSV läuft viel mehr viel zu falsch. Wo beispielsweise die Entscheidungen und Treffen des Aufsichtsrats fast schon zu öffentlichen Angelegenheiten verkommen, muss sich auch Rost nicht verstecken mit seinem Drang nach Öffentlichkeitsarbeit. Möglich, dass der Vorstand -insbesondere Bernd Hoffmann- das Hauptziel der Aussagen war, insgesamt gesehen hat der Verein aber ein grundsätzliches Problem, nämlich keine Kontinuität. Ich habe schon aufgehört die Trainer der letzten Jahre zu zählen, ihre Namen sind eh nur noch Schall und Rauch. Klar ist auch, dass die Person Hoffmann den Verein in Anhänger und Gegner gespalten hat. Ein solcher Zustand ist nicht zu verantworten. Davon mal abgesehen ist es meiner Meinung nach absolut fragwürdig, warum die Verträge des Duos Hoffmann & Kraus bis zum Jahresende datiert waren. Wer lässt wichtige Verträge mitten in der Saison enden? Übrigens, unser toller Aufsichtsrat will noch bis Ende März (sic!) Nachfolger präsentieren. Die Hoffnung stirbt zuletzt..

Der HSV muss aufpassen, dass er sich nicht mit Volldampf in den Abgrund manövriert. Hier offeriert sich nun unter bittersten Umständen die Chance eines radikalen Schnitts, wie er sonst wohl nur im Falle eines Abstiegs stattfinden würde. Oenning hat per sofort 8 Spiele, um seine Bewerbung für die nächste Saison als Cheftrainer zu skizzieren. Soweit mit diesem Kader noch etwas zu retten ist. Ausgehend davon, dass Arnesen standhaft bleibt und wirklich seinen Dienst beim HSV antritt, fehlt für die neue Saison nur noch ein anderer Vorstand, ein seriös -haha- arbeitender Aufsichtsrat und ein Trainer für die neue Saison. Nicht zu vergessen der neugestaltete Kader.
Ob wir das in dieser Form erleben werden? Ich weiß es nicht, doch wann, wenn nicht jetzt. Für irgendwas muss dieses Dilemma schließlich gut sein. Der HSV hat, es wird immer wieder durchgekaut, große Möglichkeiten. Um diese nutzen zu können, müssen aber viele grundlegende Baustellen behoben werden, endlich das gewagt werden, was die letzten Jahre angedacht, aber nicht umgesetzt oder vollendet wurde.
Die Qualifikation für Europa noch in dieser Saison halte ich, woher soll ich auch Optimismus generieren, für utopisch. Die Folge dessen? Abspecken. Unser Kader ist sehr teuer, so einige Großverdiener müssen also entweder abgegeben werden oder die auslaufenden Verträge dürfen nicht verlängert werden (Zé Roberto, van Nistelrooy, Trochowski usw.). Die Herausforderung für Arnesen, den Verein quasi vom Reißbrett her neu aufzustellen, könnte größer wohl kaum sein.

Das Duell Bayern gegen den HSV war ein Duell von Vereinen mit großen Problemen. Die Bayern haben jetzt Rückenwind, der HSV Volldampf – Richtung Abgrund. So scheint es.
Ich bin gespannt, inwiefern der wankende Riese von der Elbe die Gefahr, aber auch die Chance erkennt. Tiefer kann man nicht mehr sinken, aber es kann auch nur noch besser werden. Das mag plump klingen, ist aber die bittere Wahrheit. Ein Verein mit diesem Gesicht ist für mich nicht mehr tragbar. Die Liebe zum Verein ist stärker als die Sympathie für Einzelne, doch auch diese Liebe hat Grenzen. Der Hamburger Sportverein sollte diese eine (letzte?) Chance nutzen, ansonsten werden sich viele Fans abwenden, womit der Verein sein kostbarstes Gut verlieren würde..

Nun gilt es, die Spreu vom Weizen zu trennen. Um nicht mit Volldampf in den Abgrund zu rauschen.

Kommentare deaktiviert
Leit-Artikel

Nichts Besonderes

Vorab eine Entschuldigung – auch wenn das Murmeltier täglich grüßt, in letzter Zeit war es aufgrund einiger Vorkommnisse nicht einzurichten, hier etwas zu verfassen.

Beim HSV gibt es dieser Tage nichts Neues zu berichten. Wie bitte? Die Entscheidungen um Armin Veh, Bernd Hoffmann und Katja Kraus? Gemach, dieses Chaos ist für die Anhänger des Hamburger Sportvereins weder neu, noch erschütternd. Maße ich mir an zu behaupten. Zugegeben, unser öffentliches Ansehen haben wir jetzt endgültig kaputtgespielt, aber Achtung, immerhin haben wir einen Sportchef mit Frank Arnesen, auch wenn der erst ab Sommer da ist..

Das Unentschieden gegen Kaiserslautern taugte schon nicht für große Aufregung (schöner Sandplatz – war nicht eigentlich Rasen vorgesehen?) und die Partie gegen Mainz, was soll man machen, es ist einfach nichts Besonderes mehr, wenn der HSV -ähnlich der Trainerposition- Chance um Chance großzügig vergibt, wenn es darum geht, größere Ziele in Angriff zu nehmen. Wir hätten im Duell mit Mainz wichtige Punkte für Europa holen können, aber wer will schon nach Europa? Der HSV anscheinend nicht. Für eine Sache bin ich den Mainzern besonders dankbar – sie haben uns knallhart offenbart, wo unsere Grenzen sind und wie unsere Mannschaft nach einem Umbruch agieren könnte. Dynamisch. Es muss ja nicht gleich mit Dynamit korrelieren, aber wer die Partie gegen Mainz verfolgt hat, wird sich eher nach dem Schlaftablettensponsor der Hamburger erkundigen, als an Dynamik zu denken. Dynamik, da flüchten sich Westermann und Mathijsen hinter die nächste Bande, macht Demel ein unsicheres Tänzchen und Trochowski lieber noch einen Kreisel. Wäre es nicht so bitter, ich hätte mich richtig gut amüsieren können. De facto schien Mainz jedweden zweiten Ball zu erhaschen und es lief grundsätzlich alles zu schnell für den HSV. Spätestens in der zweiten Halbzeit war der HSV offensiv so gefährlich wie ein Hund ohne Zähne. Symbolisch wie druckvoll unsere rechte Seite mit Trochowski und Demel agierte. Druck in dem Sinne, dass deren Ideenlosigkeit die Harmlosigkeit des HSV erdrückend komplettierte..

Sowieso reißen die Hamburger grundsätzlich alles ein, was sie sich aufbauen. Kaum erzielt Petric -bei einer der rar gesäten Offensivaktionen des HSV- die Führung, fangen wir uns 3 Dinger in einer Art und Weise, die mit peinlich oder naiv noch glimpflich umschrieben ist. Doch, wohlgemerkt, beim HSV nichts Besonderes, zum Leidwesen der Fans…
Für mich war jene Partie eine Offenbarung der endgültigen Notwendigkeit eines Umbruchs. Selten zuvor habe ich eine derartige Rat-, Ideen- und Mutlosigkeit beobachten können. Beschämend war das. Fakt ist: Wer so spielt, hat Europa nicht verdient. Dann doch eher die Mainzer, auch wenn deren Auswärtsfans mit ihrer Exzessen bei uns leider Hirnlosigkeit bewiesen haben. Vielleicht waren sie auch zu betrunken, um die Ordner als solche zu erkennen. Trotzdem muss man sich nicht mit denen kloppen, nur um dann treudoof beim Gesang “Fußballfans sind keine Verbrecher” miteinzustimmen. Wobei ich mich dort ehrlich gefragt habe, warum dieser Gesang von heimischen Fans angestimmt wird, während die Auswärtigen randalieren.

Armin Veh hat es generell nicht so mit Treudoofheit. Sein lange öffentlich propagiertes “Leiden” wird im Sommer ein Ende finden. Unabhängig von der Betrachtung der sportlichen Arbeit kann ich diese Entscheidung menschlich nachvollziehen. Wer will schon bei einem Verein bleiben, dessen Führungsetage als dead man walking agiert, dessen (Ex-)Sportchef enteiert wurde und der zukünftige Cheffe noch gar nicht da ist? Dessen Aufsichtsrat eher zu “Genial daneben!” passen würde? Da macht auch der Trainer die Biege.
Traurig auch die Art und Weise bei der Entscheidung zu Kraus und Hoffmann. Da wird Hals über Kopf abgestimmt, mit 7:5 gegen das Duo. Ergebnis – die auslaufenden Verträge werden nicht verlängert. Nachfolger? Haben wir noch nicht. Sinnvoll? Beileibe nicht. Das Kommando Selbstzerstörung scheint dieser Tage erfolgreich anzulaufen. Trainer vergrault, Sportchef enteiert, der Aufsichtsrat eine Sammlung von Witzfiguren und der Vorstand abgeschossen auf Raten. Müßig, die dutzendfach anfallenden Personalien -da sind sie wieder, die auslaufenden Verträge- im Bereich des Spielerkaders zu erwähnen..

Als nächstes erwarten uns die Münchner Bayern. Das wird ein Spaß. Zwei Vereine, deren Trainer im Sommer den Abflug machen (bzw machen dürfen). Zwei Vereine, die sportlich in der oberen Tabellenhälfte herumdümpeln. Zwei Vereine, deren Fans zurzeit viele Kritikpunkte haben…
Ich möchte zum Abschluss nochmal auf einen gelungenen Beitrag von nedfuller hinweisen, der sich mit der Personalie Hoffmann etwas eingehender auseinandersetzt. Gelungen.

Kommentare deaktiviert
Leit-Artikel

Kaum zu glauben

Doppelsieg für den HSV – ein seltenes Kunststück, leider. Nachdem nicht nur Nordrivale Bremen mit einem glatten 4:0 aus der Imtech-Arena verabschiedet wurde, sicherte sich der HSV auch gleich den nächsten Erfolg: Zum kommenden Juli wird Frank Arnesen Sportchef beim Hamburger Sportverein mit Vertrag bis 2014.

Manch einer wird sich verwundert die Augen reiben und auf die erreichten 6 Punkte aus 2 1/2 Derbys verweisen (Wolfsburg zählt nur halb), doch jeder, der die Spiele gesehen hat, wird den Hamburger Katzenjammer verstehen können. Gegen Wolfsburg ein knapper Sieg durch ein Elfmetertor, gegen Sankt Pauli zwar drückend überlegen, nach Rückstand aber planlos/ohne Moral/ohne Willen und deshalb verdiente Niederlage. Jetzt der versöhnliche Abschluss gegen Bremen, wo ich aber ganz klar betonen muss: Ein Sieg gegen diese Bremer Mannschaft hätte vielleicht auch unsere II. hinbekommen, denn die Mannschaft von der Weser hatte bestenfalls Zweitliganiveau. Welche Abwehrpannen -Gruß an Nationalverteidiger (haha!) Mertesacker- dort hinten geschahen, ist mit Slapstick noch freundlich umschrieben.
Uns kann das egal sein, da wenigstens dieses Derby einige zusätzliche Gewinner hervorhob, so überzeugte das effiziente Duo Petric&Guerrero, einen Son hat man wieder gesehen, Kacar war zurück in der Innenverteidigung und Ben-Hatira belohnte sich für seinen großen Einsatz in vorangegangenen Einsätzen endlich mit einem Tor. Einzig der Schachzug mit Westermann in’s Mittelfeld wird mir schleierhaft bleiben. Wurde uns damals nicht Kacar als der Sechser der Zukunft angepriesen? Westermann als Abwehrchef verpflichtet? Man möge mich korrigieren, aber das Westermann spürbar mehr Dynamik nach vorne bringt als Jarolim, ist nun wirklich nicht erkennbar – meine Meinung.

Bitte lasst uns jetzt nicht schon wieder mit dem Gerede von Europa anfangen. Ja, wir sind einen Punkt hinter den dazu berechtigenden Tabellenplätzen, aber das Verfolgerfeld ist eng beieinander und der HSV ist bekanntlich gerne für einen Patzer zu haben. Mein Kredo: Mund halten, Punkte sammeln. Die nächsten Partien umfassen Kaiserslautern und Mainz, wenn hier mindestens 4 Punkte zu unserem Konto addieren können, ist ein ernsthafterer Gedanke an das internationale Geschäft angebracht. Zu dem Boykott, antreibend war hier CFHH, werde ich mich nicht äußern. Jeder muss entscheiden ob er das sinnvoll fand oder nicht. Bei Pleitegeiger gibt es mehr Details.

Frank Arnesen soll es nach knapp 600 Tagen Sportchef-Suche dann doch sein. Als zu Beginn des Wochenende erste Gerüchte über eine Verpflichtung aufkamen, ziepte die sammersche Narbe, immerhin wusste ja wenigstens die Bildzeitung wieder über das GEHEIMTREFFEN des Aufsichtsrat mit Arnesen Bescheid. Zugegeben, war wieder mal witzig zu lesen. Doch letztendlich ist der Deal in Sack und Tüten, Arnesen kommt aufgrund eines auslaufenden Vertrages zum HSV, nach langer Zeit also endlich wieder eine Erfolgsmeldung auf diesem Terrain.
Ein kleines Kaliber -wird gute 2 Millionen per annum erhalten- kann man hier nicht attestieren, ist der gute Mann immerhin in Diensten des Chelsea FC London und auch in Europa kein Unbekannter. Zusätzlich wird auch Lee Congerton (bisher Chefscout bei Chelsea) mit übersiedeln. Die Verpflichtung ist ein klares Signal vom HSV: Flucht nach vorne. Ich halte Arnesen auf dem Papier für eine gute Wahl, aber man wird sehen wie er mit den doch deutlich veränderten finanziellen Bedingungen umgehen kann. Der Fingerzeig auf ihn kam übrigens von Bernd Hoffmann – hat hier jemand Argumente bezüglich einer Vertragsverlängerung für sich gesammelt?

Ich bin gespannt, denn beim HSV wird viel zu tun sein im Sommer. Der Kader ist eine offene Baustelle, der langersehnte Umbruch muss endlich erfolgen, die Personalie Hoffmann wird eine Betrachtung erforderlich machen und auch die Trainerposition ab Sommer bleibt vakant. Wenigstens der Sportchef für die neue Zeit wurde gefunden, die loyale Seele Reinhardt wird zurück in’s Glied treten müssen. Sicher wird er aber in Arnesens Schatten wachsen können.
Also HSV – kaum zu glauben, aber nach langer Zeit endlich wieder positive Schlagzeilen. Nicht auszudenken was passiert, wenn man diesen Schub mit in die entscheidende Phase der Rückrunde nehmen kann..

Kommentare deaktiviert
Leit-Artikel

Man möchte im Boden versinken

All die Großspurigkeiten, all die Provokationen und Missstände bewogen mich, der lieben Jekylla einen Beitrag zu übersenden, in dem ich meine momentane Frustration mal in Worte gefasst habe, beziehungsweise den Versuch unternahm.

Das Derby, für manch einen wahrscheinlich zentraler Lebensinhalt, habe ich wohlweislich nicht verfolgt, sondern den Abend um Welten angenehmer verbracht. Vielleicht können wir hier ausnahmsweise von männlicher Intention sprechen, oder einfach von purer Frustration. Entsprechend den Gesetzen von Murphy ging natürlich alles schief, was schief gehen konnte. Niederlage im Derby, zu Null und der Gästekeeper macht seine Party im eigenen Stadion – man möchte im Boden versinken als Fan vom Hamburger Sportverein.

Ich habe vieles angeprangert in dem bei Jekylla erschienenen Beitrag, versucht zum Nachdenken anzuregen. Leider scheint es nichts geholfen zu haben, denn die Reaktionen auf die Niederlage waren unisono ablenkend/herunterspielend/unsachlich. Denken Sie sich bitte weitere Adjektive dazu.
Es ist mir doch total egal, ob wir das Derby mit 80% Ballbesitz verloren haben, der Wind ungünstig stand oder sonst was – Fußball ist ein Ergebnissport, wer die Tore nicht macht, wird bestraft.

Wer sich jetzt hinstellt und kräht, die Niederlage sei so unverdient, macht sich einfach nur lächerlich. Mitunter merkt jetzt der eine oder andere Fan, dass unsere Mannschaft keine Mannschaft in dem Sinne ist. Leidenschaft, Einsatz und Willen reichen, um unsere Millionentruppe zu blamieren. Müssen wir uns jetzt auch noch als Fans blamieren? Ich verstehe es nicht.
Wer sich jetzt hinstellt und kräht, dass der FC Sankt Pauli mit Pyro zugange war, blendet die Geschehnisse von unserem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg wohl deutlich aus.
Wer sich jetzt hinstellt und kräht, dass der Torwart von Sankt Pauli “asozial” gefeiert habe, begreift nicht die Emotionen, die in diesem Menschen wühlten. Wer früher beim HSV “vom Hof gejagt wurde”, später auch am Bahnhof von Fans des unsrigen Vereins verhauen wurde, und sonst nur dritter Torhüter ist, für den geht da einfach ein Lebenstraum in Erfüllung – wer will das bestreiten, oder ihm das verdenken? Ich kann es nachvollziehen.
Wer sich jetzt hinstellt und kräht, dass der Torwart von Sankt Pauli Petric mit dem “Pfeil-Bogen-Plagiat” provoziert habe, sollte reflektieren, welcher Hamburger Spieler mit einem Sonntagsschuss im Hinspiel gerade noch Ehrenrettung betreiben konnte, den Fans vom FC Sankt Pauli die süßen Siegeslorbeeren blitzschnell mit langweiligen Remisbirnen ersetzte.

Keine Niederlage gefällt mir, erst recht keine Derbyniederlage. Aber eventuell wachen jetzt einige Personen auf und erkennen, woran es beim HSV hapert. Wir wollen nach Europa, betonen wir ja immer wieder, wenn wir mal gewonnen haben, aber den Anspruch untermauern – das tun wir nicht. Ich habe die Schnauze voll von diesem überteuerten Kader, mit einem Trainer, der sich eher den Sportchefposten wünscht, und einem Sportchef, der gar nicht als solcher wahrgenommen worden. Beim HSV liegt sehr, sehr viel im Argen. Das einzig Gute an der Niederlage wäre die Erkenntnisgewinnung, so sie denn eintritt. Ich glaube -leider- nicht daran.

Es tut mir Leid, aber ich bin momentan einfach zu wütend, als dass ich diese Niederlage ausführlich sezieren könnte.
Daher nochmal der Dank an Jekylla, sowie an Bastian Reinhardt für die richtigen Worte:

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir zu Hause so ein wichtiges Spiel verlieren. Wenn ich sehe, wie St. Pauli in unserem Stadion feiert, könnte ich abkotzen.“

P.S. Aogo hat für mich als einer von Wenigen noch Identifikationswert. Seine Tränen nach der verlorenen Partie sprachen Bände. Übrigens – Samstag kommt Bremen. Die nächste Blamage?

5 Kommentare