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Ist Pyrotechnik ein Verbrechen?

Beim Spiel in Mainz war es mal wieder soweit. Pyro im Gästeblock und das mehrfach während des Spiels – und ein hilfloser Stadionsprecher ermahnt die Gästefans. Diese Szenen sah man auch schon zwei Wochen zuvor in Hannover – oder bei anderen Auswärtsspielen. Doch das ist natürlich kein reines HSV-Phänomen – Pyro sieht man in dieser Saison sehr oft und in nahezu allen Fanszenen. Und dahinter steckt eine ganz heiße Diskussion.

Pyrotechnik ist in deutschen Stadien ja verboten. Da sich einzelne Fans nie daran gehalten haben und es optisch für viel Fans auch durchaus ansprechend aussieht, hat sich die Aktion „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ in den vergangenen Monaten für eine Legalisierung stark gemacht. Dazu fanden etliche Gespräche mit DFL und DFB statt, und eine Einigung schien – so ließ man zwischenzeitlich verlauten – denkbar. Doch dann brachen DFL und DFB die Gespräche ihrerseits ab und erteilten damit allen Pyro-Befürwörtern eine Ohrfeige. Und seitdem brennt es in den deutschen Stadien – und zwar immer öfter.

Ich persönlich war schon immer ein Gegner von Pyrotechnik. Nicht nur im Stadion, sondern z.B. auch an Silvester. Diese Sachen können unheimlich gefährlich werden und vor allem möchte ich nicht darauf vertrauen, dass wildfremde Menschen (teilweise alkoholisiert) damit behutsam umgehen. Und schon gar nicht in einer Menschenmenge, wie ich sie im Stadion habe. Warum sollte ich so naiv sein und glauben, dass derjenige, der da gerade zündet, auch alles im Griff hat? Mal abgesehen von möglichen gesundheitlichen Belastungen durch den entstehenden Rauch gehe ich bei sowas immer in Deckung.

Mit den angestoßenen Vorschlägen der Initiative „Pyrotechnik legalisieren – Emotionen respektieren“ konnte ich mich dennoch anfreunden. Ich persönlich sehe Pyrotechnik zwar nicht als Ausdruck meiner Emotionen an (wo besteht der Zusammenhang?), aber ein kontrolliertes Abbrennen unter Aufsicht von Experten in abgetrennten Sicherheitsbereichen wäre mit Sicherheit eine gute Lösung gewesen.

Doch diese Lösung gibt es nun nicht. Ich verstehe die Wut der Initiatoren, denn wenn die nun an die Öffentlichkeit geratenen Informationen stimmen, dann zeugt die Vorgehensweise der DFL/DFB nicht gerade von einem respektvollen Umgang mit den Fanvertretern. Aber rechtfertigt das nun die derzeit wöchentlich zu beobachtenden Reaktionen in Form von massivem Pyroeinsatz? Rechtfertigt es, dass eine Gefährdung anderer Zuschauer fahrlässig in Kauf genommen wird? Ich meine definitiv nicht! Und diese „bockige“ Reaktion erinnert ganz stark an gängige Kindergartenpraktiken, bei denen ich beleidigt bin, wenn ich nicht erhalte was ich will. Muss erst etwas passieren, bis alle begriffen haben, wie gefährlich Pyro in einer Menschenmenge sein kann?

Die Fronten scheinen verhärtet. Beim letzten Heimspiel fiel mir die “Kurveninfo” der Ultragruppierung Poptown in die Hände. Dort äußerte man sich wiefolgt zum Thema Pyro (rückblickend auf das Spiel in Hannover): „Abgerundet wurde dieses im Gästeblock durch eine vorbildliche und wunderschöne Bengalshow. […] Es gibt einfach kein schöneres Gefühl, wenn ein Lied laut gesungen wird und es dazu den Schein von Pyrotechnik gibt. Es erwärmt das Herz und gibt Kraft“. Also ganz ehrlich Jungs (und Mädels): müsst ihr nicht selbst lachen, wenn ihr sowas lest? Da wird das ganze Thema aber extrem künstlich hochgespielt, um die aktuelle Diskussion anzuheizen, oder? Und habt ihr wirklich keine schöneren Gefühle? Geht es uns nicht vornehmlich um den Fußball auf dem Platz? Sollte nicht der das Herz erwärmen?

Wenn Ultras wirklich so „vernarrt“ in diese Sache sind, dann sehe ich unter diesen Rahmenbedingungen derzeit keine Lösung – auf beiden Seiten. Wir werden uns also an Pyro im Gästeblock gewöhnen müssen – und ich weiß, dass sich viele HSVer dafür schämen. Ich möchte mich einschließen. Denn derzeit ist Pyro verboten. Und damit ist der Einsatz von Pyrotechnik unter den aktuellen Rahmenbedingungen per Definition ein Verbrechen. Und wir alle können nur hoffen, dass nichts passiert.

P.S: Wer sich über die Gefahren von Pyrotechnik informieren möchte, dem empfehle ich folgenden Abendblatt-Artikel.

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Choupo-Moting und die Kategorie “Seltentreffer”

Ein 0:0 in Mainz. Kann man sich darüber freuen? In meinen Augen schon. Denn in Mainz haben schon andere verloren (u.a. der FCB). Zudem hatte ich ja vor den letzten drei Ligaspielen (Nürnberg, Mainz, Augsburg) sieben Punkte als Ziel ausgegeben – das ist noch drin.

Vor allem aber war es der Spielverlauf, der diesen Punkt als Gewinn werten lässt. Denn die größeren Chancen hatte eindeutig Mainz 05 – auch wenn wir die 100%ige von Ivo Ilicevic nicht vergessen wollen. Wieso hat er den nicht gemacht?

Im Fußball gibt es ja unterschiedliche Arten von Stürmern:

  • Stürmer, die immer treffen. Sie sind entsprechend selten, begehrt und teuer.
  • Stürmer, die gelegentlich treffen. Meist hat ihre Treffsicherheit eine wellenartige Entwicklung mit Hochs und Tiefs.
  • Stürmer, die nur gegen ganz bestimme Mannschaften treffen.

In den letzten Jahren hatte ich oft das Gefühl, dass der HSV vor allem bei den beiden letztgenannten Kategorien immer mit dabei war – im negativen Sinn. Vielleicht liegt es auch an meinem Blick durch die blau-weiß-schwarze Brille, aber gefühlt haben wir schon etlichen Stürmern aus ihren jeweiligen Formkrisen geholfen. Wenn es bei diesen Stürmern mal nicht so lief, dann trafen sie gegen uns. Spontan fallen mir da Namen wie Mike Hanke oder Mario Gomez (noch zu Stuttgarter Zeiten) ein.

Und dann gibt es natürlich noch die Stürmer, die nur oder besonders oft gegen den HSV treffen. Früher war das immer Claudio Pizarro (trifft mittlerweile gegen jedes Team), auch Hannovers Jiri Stajner gehörte immer in diese Riege. Dabei sind natürlich auch einige Ex-HSVer wie Sidney Sam, die häufig oft gegen ihren Ex-Club treffen. Reporter sprechen dann gerne von Geschichten, wie sie nur der Fußball schreibt.

Und damit schließt sich der Kreis zum Spiel vom Samstag. Denn Eric Maxim Choupo-Moting wollte auch so eine Geschichte schreiben und unbedingt gegen seine Ex-Kollegen treffen. Eingewechselt in der 54. Minute sorgte “Choupo” für mächtigen Schwung im Mainzer Spiel, vergab aber drei absolut hochkarätige Chancen – von denen muss er mindestens eine machen! Wäre es nicht gegen unseren HSV gewesen – der Junge hätte mir Leid getan. Denn ich wünsche dem Hamburger Jung Choupo-Moting alles Gute, hätte seinen Durchbruch gerne beim HSV gesehen. Warum er es nicht geschafft hat, durften wir aber alle am Samstag erleben. In diesem Fall zum Glück für unseren HSV. Denn das war nicht erstligareif und erklärt, warum der HSV nicht mehr auf ihn gesetzt hat. Das soll jetzt nicht hämisch sein, aber seit diesem Samstag bin ich im Kapitel Choupo-Moting (ich hatte mich immer gefragt, warum er beim HSV nicht mehr Einsatz bekam) schlauer geworden.

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Gastbeitrag: In Mainz erwartet man Wiedergutmachung

In unserem aktuellen Beitrag erinnert sich Jens vom 05er-Fanblog an vergangene Spiele gegen den HSV:

Mainz gegen den HSV – eine Begegnung, die in den bisherigen Bundesligaspielzeiten eher zugunsten des HSV ausfiel. Ich denke heute noch an den “Frust” über die Niederlage der letzten Saison – als die 05er im Bruchwegstadion in der 89. Minute den 0:1 Treffer kassierten. Vorausgegangen war ein übler Patzer des sonst sehr solide agierenden Bo Svensson. Ich meine Guerrero hätte den Siegtreffer erzielt.

Mit ein klein wenig Wehmut denkt man da als Mainz-Fan an die allererste Bundesligapartie der beiden Mannschaften zurück. Damals hiess der Trainer noch Toppmöller und ein gewisser Toni da Silva (heute Borussia Dortmund) schoss den HSV im Alleingang zurück an die Elbe (erster Bundesligadoppelpack des Brasilianers). Damals stand ich mittendrin in der Fantribüne und der Jubel war schier unglaublich.

Zwischenzeitlich hat sich Mainz05 – nach einer kurzen Zweitligapause – ein wenig in der 1. Bundesliga etabliert (auch wenn ein Abstieg immer noch im Bereich der “miteinkalkulierten Möglichkeit” ist) und mittlerweile treten die Rheinhessen nicht mehr als die reinen Underdogs an sondern kratzen – zumindest auf der Leistungsebene – am Niveau der Hanseaten.

Die meisten Fans werden sicherlich noch die bittere Niederlage der vorigen Saison im Kopf haben und sicherlich erwartet man soetwas wie “Wiedergutmachung”. Man kann Spiele mal verlieren – aber bitte nicht SO! Zumal damals ein neuer Bundesligastartrekord von 8 Siegen in Folge vom HSV zunichte gemacht wurde. Am meisten erinnere ich mich aber daran, das ein echtes Scheisswetter herrschte. Regen die ganze Zeit und damals saß ich noch unter freiem Himmel auf einer der Zusatztribünen und trotz Regenschutz und einer gewissen Abhärtung fühlte sich alles kalt und feucht an. Und dann noch so ein Scheissspiel! So dachte ich damals zumindest auf dem Rückweg zum Auto.

Aber das interessiert mich mittlerweile gar nicht mehr. Das ist Schnee von gestern wie man so schön sagt. Viel wichtiger ist, das Mainz auf jeden Fall 3 Punkte einfährt um den Aufwärtstrend der mit Stuttgart, Bayern und Wolfsburg seinen Anfang nahm und nun weiter fortgeführt wird. Wir haben in der Anfangsphase viel zu viele Punkte hergeschenkt – das muss nun irgendwie wieder kompensiert werden.

Über den HSV selbst kann ich derzeit nicht viel sagen – ausser das einige Abgänge zu verzeichnen waren und die Neuen kenne ich bis jetzt noch nicht. Auch ansonsten verfolge ich den HSV weniger. Was sich aber abzuzeichnen scheint ist, das der Trainer Thorsten Fink es anscheinend schafft, in der Mannschaft einen Teamgedanken und ein “Wir-Gefühl” zu erzeugen – in meinen Augen ein ganz wichtiges Mosaiksteinchen auf dem Weg zum Erfolg (siehe Negativbeispiele Hoffenheim und Wolfsburg).

Ich erwarte einen spannenden Kick von zwei Teams, die unbedingt gewinnen wollen und das verspricht meist recht viel Tore. So denke ich auch, das jeder auf seine Kosten kommen wird.

Und ob es diesesmal regnet ist mir egal – jetzt hab ich ja endlich auch ein Dach überm Kopf. :)

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45.473

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45.473 – das war für mich die Zahl des Tages beim eher unspektakulären Sieg gegen Nürnberg. Denn nur 45.473 Zuschauer waren im Volkspark -> über 11.000 Plätze blieben also frei. Und so wirkt es schnell ungewohnt leer in unserem schönen Stadion.

Diese Zahl lässt aufhorchen. Denn auch gegen Hoffenheim waren es schon nur 46.237 Zuschauer. Zufall oder negativer Trend? Natürlich ist die Ansetzung alles andere als optimal gewesen, denn Sonntagsspiele sind meist nicht so beliebt. Insbesondere im Gästebereich blieben so einige Plätze frei.

Aber auch in den HSV-Bereichen waren deutliche Lücken. Und diese hatten wir vor zwei Jahren nicht – egal wie der Gegner hieß oder an welchem Tag gespielt wurde, da kamen immer mindestens 50.000. Der HSV muss also aufpassen. Denn die sportliche Fehlentwicklung der letzten zwei Jahre hat offenbar Spuren hinterlassen. Es ist scheinbar nicht mehr “schick” zum HSV zu gehen. Wir merken das immer wieder, wenn wir mal eine Dauerkarte übrig haben. Vor zwei Jahren wäre und diese aus den Händen gerissen worden, heute ist das schwerer und ein dummer Spruch (“wer will die denn sehen?”) keine Seltenheit.

Brauchen wir denn überhaupt solche Zuschauer, die einen “schicken” HSV wollen? Auf den ersten Blick nicht. Denn der HSV kann sich seiner treuen Fans, die immer zum Verein stehen, zum Glück sicher sein. Auch in dieser Saison, die sportlich bislang so enttäuschend verlief, war auf diese Fans stets Verlass und die Stimmung außerordentlich gut.

Dennoch mag ich es lieber, wenn das Stadion voll ist. Zumal die Stadionauslastung ja nur das Image des HSV wiederspiegelt. Der Verein hat in den 2000er Jahren viel dafür getan, dass er eben wieder “schick” wird und das er wieder angesehen ist in der Stadt – eine sehr mühsame Aufgabe. Diesen Status muss sich der HSV nun schnell zurückerobern, bevor er in der Gunst der Hamburger zu sehr sinkt. Denn der HSV gehört zu Hamburg, wie der Michel zum Hafen.

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Gastbeitrag: Der Dino ist kein Abstiegskonkurrent

Vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg baten wir “Bomber Manolo” vom Glubb-Blog um einen Gastbeitrag:

In Nürnberg geht wieder die Angst um. Und nicht nur die Abstiegsangst, sondern die Existenzangst! Man träumt nicht mehr von Europa, sondern man hofft, dass es uns nicht wieder in die Fussballniederungen Deutschlands verschlägt, denn das wäre ein finanzielles Desaster – wie es ja 2008 auch schon war. Inzwischen sieht der Glubb im wirtschaftlichen Bereich die ersten zarten Pflänzchen sprießen, was vor allem mit den Verkäufen einiger “Eingengewächse” zu tun hat. Und hier spaltet sich die Fangemeinde: Für die einen ist es ganz legitim, dass ein junger Spieler zu einem zahlungskräftigen Verein wechselt und dass ein Wollscheid für ca. 50.000 geholt, nun für über 5 Mio verkauft, ein gutes Geschäft darstellt. Die anderen würden lieber sehen, dass diese Leute (auch ein Gündogan) weiterhin in Franken spielen und man sich über Erfolge konsolidiert. Was der richtige Weg war, wird man wahrscheinlich erst in ein paar Jahren wissen. ;-)

Was uns zur derzeitigen sportlichen Situation bringt, die seit vergangenem Wochenende wieder etwas besser aussieht. Da hat man nämlich nach einer unglaublichen Durststrecke von 8 sieglosen Spielen endlich mal wieder gewonnen und dabei auch noch einen direkten Konkurrenten besiegen können. Dass man nun zum wiedererstarkten HSV muss, wäre ja eine Chance einen weiteren Konkurrenten wegzuräumen.

Aber da beim Glubb-Blog nur Realisten agieren, ist uns klar, dass der Dino aus der Hansestadt nicht wirklich ein Abstiegskonkurrent ist und über kurz oder lang diese Tabellenregion mit den großen Zahlen wieder verlassen wird. Zwar sehen wir als “Halter des Abstiegsrekords” jedes Mal neidvoll auf diese “In-der-Bundesliga-seit-Uhr” und würden uns diebisch freuen, wenn diese auch mal auf NULL gesellt wird, aber dafür ist der HSV einfach zu groß und zu reich. Falls bis zur Winterpause nicht alle Abstiegssorgen an der Elbe beseitigt sind, wird vermutlich noch mal kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen.

Vom Spiel selbst erwarte ich als Berufs-Pessimist nicht viel, ein Punkt wäre eine tolle Sache für unsere junge Truppe. Leider werde ich auch nicht vor Ort sein, obwohl Hamburg früher immer eine Reise wert war. Aber seitdem die Fans derart rigoros getrennt werden (zurecht), is es auch nicht mehr möglich, ins schöne “Stadion-Eck” zu gehen – Mann, waren das noch Zeiten! :-)

Mit fränkischen Grüßen
Bomber Manolo
www.n-town.de

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